Pflanzen und Tiere
Von Rolf Alpers
Pflanzen
Ohne dass es jemals eine vollständige Erfassung der Pflanzen Stadensens gegeben hätte, kann man von etlichen Hundert hier wild wachsenden Pflanzen ausgehen. Hervorzuheben sind die außergewöhnlich zahlreich hier wachsenden Farnarten. Häufige Arten sind der Adlerfarn, Echter Wurmfarn, Gewöhnlicher und Breitblättriger Dornfarn, Wald-Frauenfarn, Acker- und Teichschachtelhalm. Nur an wenigen Standorten wachsen der Rippenfarn (vor allem am Breiten- und Bornbach), der Tüpfelfarn, der Bergfarn und der Sumpf- und der Winterschachtelhalm. Zu den Kostbarkeiten des Bornbachtals zählen der weit verbreitete Waldschachtelhalm, der stark bedrohte Wiesenschachtelhalm mit einem kleinen Vorkommen im Alten Gehege sowie der an wenigen Stellen im Alten Gehege wachsende Eichenfarn. Obwohl der Buchen- und der Sumpffarn auf der roten Liste bedrohter Arten stehen, kommen sie im Bornbachtal an mehreren Stellen in größeren Beständen vor. Der prächtigste einheimische Farn ist der Königsfarn, von dem mehrere Wuchsorte an Seitenbächen des Bornbachs bekannt sind.
Eine botanische Kostbarkeit ist ein Moortümpel am Rande des Alten Geheges mit den einzigen in Stadensen bekannten fleischfressenden Arten Rundblättriger und der Mittlerer Sonnentau sowie Kleiner Wasserschlauch. Als weitere Raritäten wachsen hier das Schmalblättrige Wollgras, das Weiße Schnabelried und das Schöne Johanniskraut.
Zu den auffälligsten krautigen Pflanzen zählt das Buschwindröschen, das im zeitigen Frühjahr riesige Flächen in den Mühlenbrüchen und zahlreiche weitere kleinere Flächen in der Stadenser Gemarkung bedeckt. Auch das Scharbockskraut kommt mit seinen auffälligen gelben Blüten zu dieser Jahreszeit an feuchten Stellen massenhaft zum Vorschein. Etwas später blüht die Sumpfdotterblume, die im Auenbereich des Eisen- und Bornbachs häufiger ist als sonst in Niedersachsen. Zu den schönsten Blumen zählen zwei Primelarten: Die Hohe Schlüsselblume kommt im Bornbachtal noch in größeren Beständen vor, und in den Waldtümpeln des Bornbachtals sind die flächendeckenden weiß blühenden Wasserfedern im Mai nicht zu übersehen. Die Wasserfeder teilt sich ihren Lebensraum mit der Sumpfcalla, von denen es einige Standorte entlang des Bornbachs gibt.
Die Stechpalme (Ilex) lebt hier am östlichen Rand ihres Verbreitungsgebietes teils einzeln, teils in großen Beständen im Bornbachtal. Nur noch selten wächst der Wacholder als Relikt aus der Zeit der Heidewirtschaft auf den mageren Böden im Westen des Gebiets, vor allem entlang des Breitenbachs.
Als Stadenser Kuriosum sei der „Jahrhundertbaum“ oder „Baum des Lebens“ erwähnt: Er hat eine geradezu unglaublich kuriose Geschichte: Anfang der 1980er Jahre wurde auf einem Stadenser Bauernhof eine Robinie gefällt. 1912 sollen dort 14 Exemplare gepflanzt worden sein, die später zu einem einzigen Baum zusammengewachsen waren. Vom gefällten Stamm ließ Helmut Kudritzki ein ca. 4 m langes Stück aufrecht auf einer Wiese am Sportweg aufstellen und verzierte es mit mehreren Schnitzereien: Eulen und das Stadenser Wappen. Der Stumpf bekam sogar einen Hut und einen Namen: „Jahrhundertbaum“ oder „Baum des Lebens“. Was nicht geplant war: der totgeglaubte Stumpf trieb Wurzeln und Zweige und hat so bis heute überlebt und bereits wieder eine stattliche Höhe erreicht. Seit Jahren treibt er unterirdische Ausläufer mit spitzen Dornen.
Tiere
Säugetiere
Die häufigsten Säugetiere gehören zu den Kleinsäugern, also Mäusen, Spitzmäusen oder Fledermäusen. Über deren Vorkommen in der Stadenser Gemarkung liegen uns keine Daten vor. Wir beschränken uns bei der Darstellung der Säugetierfauna deshalb auf die größeren Arten.
Während seiner kontinuierlichen Westausbreitung am Ende des 20. und Anfang des 21. Jahrhunderts hat der Fischotter sämtliche Fließgewässer des Landkreises Uelzen, darunter auch den Eisenbach und den Bornbach besiedelt. Als das Bornbachtal 2008 zum Naturschutzgebiet ausgewiesen wurde, hat man den Fischotter als Wappentier gewählt.
In den 2020er Jahren wurden erstmals Wildkatzen auf mehreren Wildkameras im Forst Breitenhees und im Bornbachtal registriert. Um ganz sicher zu gehen, wurden mithilfe von Baldrian besprühten Lockstöcken Haarproben zwecks DNA-Analyse gesammelt mit dem Ergebnis, dass Wildkatzen im Breitenheeser Forst, im Alten Gehege und am Bornbach heimisch sind.
Vögel
Im 21. Jahrhundert wurden in der Stadenser Gemarkung bisher 94 Brutvogelarten festgestellt. Weitere 12 Arten sind inzwischen ausgestorben. Mindestens 27 Gastvogelarten besuchen die Gegend überwiegend im Winter. Die häufigen und weit verbreiteten Brutvögel sollen hier nicht besprochen werden. Von besonderem Interesse sind die Brutvogelarten, die in einer der Roten Listen von Deutschland bzw. Niedersachsen verzeichnet sind. Der Schwarzstorch und der Ortolan sind in Niedersachsen in der Kategorie „vom Aussterben bedroht“ aufgelistet. Ein Schwarzstorchpaar brütet seit Jahrzehnten im Bornbachtal. In den 2010er Jahren gab es sogar ein zweites Brutpaar. Mehrfach wurden Kunsthorste besetzt, die extra für die Schwarzstörche in alten Bäumen an versteckten Stellen im Wald errichtet wurden. Gelegentlich wechseln die Störche ihren Horst und bauen dann auch selbst einen. Vom Ortolan gibt es alljährlich einzelne Sänger in den Feldmarken rund um Stadensen. Sie sind hier an ihrer westlichen Verbreitungsgrenze.
Als „stark gefährdet“ sind in den Roten Listen der Feldschwirl, der Kiebitz und das Rebhuhn geführt. Während der Feldschwirl gebüschreiche Röhricht- oder Hochstaudenfluren besiedelt, brüten Kiebitze und Rebhühner in der offenen Agrarlandschaft. Kiebitze waren noch vor 40 Jahren in der Stadenser Gemarkung auf feuchten Wiesen und Äckern weit verbreitet. Heute gibt es sie nur noch westlich von Stadensen, wo sie schon gar nicht mehr alljährlich beobachtet werden können. Etwas besser ist die Situation für die Rebhühner, die in den Feldmarken rund um Stadensen leben, wo sie genügend Deckung finden.
Zu den „gefährdeten“ Brutvogelarten zählen einige ausgesprochen seltene (Wespenbussard, Rotmilan, Waldohreule, Kuckuck, Kleinspecht), aber überwiegend ehemals – und teilweise auch heute noch – häufige Arten (Feldlerche, Rauchschwalbe, Mehlschwalbe, Waldlaubsänger, Gartengrasmücke, Star, Trauerschnäpper, Bluthänfling, Girlitz). In den letzten Jahren hat nur noch je ein Kuckuck im Bornbachtal und in den Mühlenbrüchen gerufen. Die Nachtigall war bis in die 1980er Jahre Brutvogel in strukturreichen Gehölzen, wird aber seitdem nicht mehr alljährlich beobachtet. Beide Schwalbenarten sind im Dorf noch erfreulich häufig, obwohl die Viehhaltung hier fast zum Erliegen gekommen ist. Auch die Feldlerche ist in den Feldmarken noch überall anzutreffen, hat aber stark abgenommen.
Zu den ehemaligen Brutvögeln zählt der Weißstorch, von dem bis 1959 ein Paar in Stadensen lebte. Auf Initiative von Adolf Warnecke, auf dessen Hof die Störche ihr Nest hatten, wurde in den 1980er Jahren auf den Wiesen am Eisenbach eine Aufzuchtstation für verletzte Störche betrieben, die teilweise sogar zur Brut schritten. Ebenfalls nicht mehr als Brutvögel vertreten sind ehemals verbreitete Arten wie die Haubenlerche, die Turteltaube und das Braunkehlchen.
Amphibien
In den Jahren 1984 und 1985 wurden im Bornbachtal 7 Amphibienarten festgestellt. Noch heute zählen die Erdkröte, der Grasfrosch, der Teichmolch und der Bergmolch zu den dort weit verbreiteten Arten, die die Wälder als Winterquartier und als Laichgewässer die zahlreichen Teiche, Waldtümpel, Gräben und Wasserlöcher nutzen. Wasserfrösche kommen dort nur an einem Teich im Alten Gehege vor, und auch den Feuersalamander gibt es nur im Alten Gehege, das mit seinen naturnahen Bächen ideale Laichgewässer bietet. Lediglich der 1984 noch beobachtete Kammmolch ist seit längerer Zeit aus dem Bornbachtal verschwunden. Zu den ausgestorbenen Lurcharten der Stadenser Gemarkung zählen neben dem Kammmolch der Laubfrosch, der am Anfang der 1980er Jahre verschwand, und die Kreuzkröte, die in den 80er Jahren auf feuchten Stellen auf den Äckern noch verbreitet war.
Wirbellose
Zu den größten Kostbarkeiten der heimischen Natur zählt die Flussperlmuschel, die früher in vielen Bächen der Lüneburger Heide, insbesondere auch im Bornbach vorkam. Perlenstickereien in den Heideklöstern zeugen von ehemals beachtlichen Beständen, von denen aktuell – abgesehen von einigen überalterten Exemplaren in der Gerdau – nur noch eine immerhin fünfstellige Zahl in der Lutter und der Lachte im Landkreis Celle vorkommt. Utermark fand in den 1980er Jahren nur noch einige leere Schalen im Bornbach. Im Jahre 1990 wurde ein Wiederansiedlungsversuch gestartet, der 2001 abgebrochen wurde. Erst in dieser Zeit erkannte man, dass die enormen Sandmengen, die der Bornbach transportierte, eine Ansiedlung der Muscheln verhinderten. Nachdem die Nienwohlder Fischteichanlage renaturiert wurde, ein Umfluter an der Neumühle angelegt und mehrere Sandfänge und Kiessohlen eingebaut wurden, verringerte sich die Sandfracht so stark, dass 2019 mit einem erneuten Wiederansiedlungsversuch begonnen wurde. Seitdem werden einmal jährlich mithilfe der Methode der Elektrofischerei Bachforellen aus dem Bornbach gefangen, mit den Larven der Flussperlmuscheln aus der Lutter infiziert und anschließend wieder im Bornbach freigesetzt. Da die Jungmuscheln 9 bis 10 Jahre im kiesigen Substrat versteckt leben, wird man einen Erfolg des Projekts erst in einigen Jahren nachweisen können.
Literatur:
Altmüller, Reinhard & Rainer Dettmer (2019): Bericht 2019 ‚Wiederaufnahme des Versuchs zur Wiederansiedlung der Flussperlmuschel im Bornbach‘ – unveröffentlichte pdf-Datei
Deutscher Rat für Vogelschutz (2021): Rote Liste der Brutvögel – 6. gesamtdeutsche Fassung – https://www.dda-web.de/voegel/rote-liste-brutvoegel (9.5.2023)
Krüger, Thorsten & Knut Sandkühler (2022): Rote Liste der Brutvögel Niedersachsens und Bremens – Informationsdienst Naturschutz Niedersachsen 2/2022
